HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 352 / 2010 vom 29.08.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


INDIEN NEU AUF 50 MHZ

(rps) Indische Funkamateure dürfen ab sofort den Frequenzbereich 50 bis 54 MHz zeitlich unbefristet nutzen. Die erlaubte Senderleistung beträgt 25 Watt, die Sendearten sind allerdings auf Frequenzmodulation beschränkt: F1B, F2B, F3E und F3C. Sollte sich diese ungewöhnliche Bestimmung nicht als ein Fehler in der offiziellen Bekanntmachung der indischen Regierung herausstellen, wäre ein Kontakt mit Deutschland aus rechtlichen Gründen unmöglich, weil genau das bei uns verboten ist. Man bemüht sich natürlich seitens der Funkamateure zumindest um SSB und CW. Außerdem wurde das indische Genehmigungssystem von vier auf zwei Amateurfunkklassen reduziert.

Quelle: RSGB


ANONYMISIERUNGSSERVER BESCHLAGNAHMT

(rps) Amateurfunk ist öffentlich und für jeden zugänglich. Das betonen wir immer wieder und werten es überwiegend als Vorteil. Es gibt aber auch Nachteile. Im deutschen Amateurfunk wurde und wird oft beklagt, dass unsere digitalen Netze nicht sicher sind – und zwar in dem Sinne, dass jeder sich für jeden anderen ausgeben kann, dass also keine wirkliche Authentifizierung des Benutzers stattfindet. Man kann sich zum Beispiel unter Benutzung irgendeines Rufzeichens quasi anonym bewegen. Auch im Internet gibt es Strukturen, mit denen man eine bewusste Verschleierung der eigenen Identität herbeiführen kann, etwa VPN-Server und Onion-Router: Verschlüsseln und anonymisieren steht hier im Vordergrund. Dass das Anbieten einer solchen oftmals durchaus gewünschten Dienstleistung auch in die Hose gehen, das zeigt diese folgende Meldung, die diese Woche bei Heise Online erschien.

"Am Freitagmorgen hat die Polizei eine Hausdurchsuchung beim einem VPN-Anbieter des Perfect-Privacy-Netzwerks durchgeführt, wie die Betreiberfirma berichtet. Die Behörden begründen den Durchsuchungsbefehl mit dem Verdacht, dass Unbekannte über die Server in Erfurt strafrechtlich relevante Kommunikationen geroutet haben.

Perfect Privacy ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen aus aller Welt, die VPN-Server betreiben und ihre Dienste unter einer gemeinschaftlichen Oberfläche anbieten. Gegen Bezahlung können Anwender ihren gesamten Internettraffic verschlüsselt durch die Server solcher Anbieter schleusen, wodurch die Rückverfolgung erschwert werden soll. Logdateien legt Perfect Privacy nach eigenen Angaben nicht an.

Es wurden fünf PCs samt Speichermedien beschlagnahmt, wodurch ein Schaden in Höhe von 6000 bis 6500 Euro entstanden sein soll. Rechner, die in Verbindung mit dem VPN-Dienst genutzt wurden, seien 'allesamt vollverschlüsselt', betont das Unternehmen. Die eigentlichen VPN-Server haben die Beamten nach Angaben des Unternehmens nicht beschlagnahmt. Vorübergehend hat der Anbieter die Dienste der Erfurter Server jedoch eingestellt, um Mitgliedern mit 'erhöhten Sicherheitsbedürfnissen' Zeit zu geben, von den laufenden Ermittlungen zu erfahren. Unklar ist, warum die Beamten statt der VPN-Server die Rechner des Administrators beschlagnahmt haben. Auch ob die Behörden weitere Maßnahmen wie Telekommunikationsüberwachung durchführen, ist nicht bekannt. Der Betreiber will jetzt mit anwaltlicher Unterstützung Akteneinsicht beantragen."

Soweit die Meldung von Heise Online. Wendet man dieses Szenario auf Installationen des Amateurfunks, also etwa auf Packet-Radio-Netze samt Mailboxen und auf D-STAR-Relais mit internationaler Vernetzung an, dann sind deren Betreiber durchaus in der Gefahr, sich staatsanwaltlichen Ermittlungs- und Beschlagnahmeaktionen auszusetzen, sollte jemand zum Beispiel unter Vortäuschung einer anderen Identität diese Anlagen für Straftaten nutzen.


RELAISFUNKSTELLE IM TETRA-STANDARD

(rps) Der Amateurfunk öffnet sich immer mehr Möglichkeiten der digitalen Sprachkommunikation. In Dortmund läuft am Standort von DB0DS seit einigen Wochen eine Relaisfunkstelle, die erstmals den TETRA-Standard verwendet – ein digitales vernetz- und verschlüsselbares Bündelfunksystem, das in modifizierter Form ebenfalls von Sicherheitsbehörden in Deutschland und Europa unter dem Namen TETRAPOL eingesetzt wird. Hierzu nun ein paar Informationen von der Website von DB0DS.

Mitte Juni ist am Standort von DB0DS auf der Frequenz 439,850 MHz mit einer Ablage von -9,4 MHz ein TETRA-Relais in Betrieb gegangen. Nach dem Wissensstand der Betreiber – und auch der Redaktion – ist es das erste Amateurfunkrelais nach diesem Standard weltweit. Auf dem physikalischen Kanal – also auf dem Hochfrequenzträger – liegen im Zeitmultiplexverfahren TDMA vier logische Kanäle bzw. Zeitschlitze, so dass vier voneinander unabhängige Übertragungswege auf einem Träger zur Verfügung stehen. Beim Erwerb von Geräten, speziell von gebrauchten Geräten, ist natürlich darauf zu achten, dass diese ohne Verschlüsselung arbeiten können, also ohne das so genannte TEI, da selbstverständlich auf jede Verschlüsselung im Amateurfunk zu verzichten ist.

Mehr Information zu diesem interessanten Projekt finden Sie auf der Website von DB0DS, das ist www.db0ds.de. Die Betreiber werden sicher gerne Ihre Fragen zu TETRA beantworten, falls Sie die neue Anlage nutzen oder auch nur empfangen möchten.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ