HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 353 / 2010 vom 12.09.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


EHRUNG FÜR DK2EI

(rps) Unser Mitglied Diethard Balzer, DK2EI, wurde diese Woche von seiner Heimatstadt für seine langjährigen Verdienste um den Amateurfunkdienst öffentlich geehrt.

Oberbürgermeister Norbert Bude hatte am Mittwoch insgesamt fünf Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürger mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet. "Mit der Auszeichnung wollen wir Dank sagen für die von Ihnen ehrenamtlich und unentgeltlich geleistete Arbeit", bedankte sich Bude bei den Ausgezeichneten. "Ehrenamt ist Vielfalt und Sie haben ein Ehrenamt übernommen, weil es mit Aufgaben verbunden ist, die Ihnen wichtig sind. Sie packen dort an, wo Sie Handlungsbedarf sehen und geben etwas weiter, von dem Sie selbst begeistert sind", so Bude weiter.

DK2EI erhielt die Ehrennadel für sein umfangreiches und langjähriges ehrenamtliches Engagement im Amateurfunk. So war er etwa viele Jahre lang Vorsitzender des DARC-Ortsverbands Mönchengladbach, wo er in den 80er und 90er Jahren zahlreiche Ausbildungslehrgänge durchgeführt und dadurch eine hohe Anzahl von OM und YLs zum Amateurfunk geführt hat. Diethard hat damit auch nachhaltig zur Vermittlung von naturwissenschaftlichen und technischen Kenntnissen beigetragen, was gerade heute in unserer Gesellschaft bitter notwendig ist. Er engagiert sich zudem – unter anderem auch mit seiner eigenen Amateurfunkstelle – für den Not- und Katastrophenfunk, um auch in diesen schwierigen Situationen eine autarke Kommunikation weiterhin sicherzustellen.

Seit einiger Zeit bringt DK2EI sein Know-how auch in der AGZ mit ein: Zusammen mit Johannes Heep, DJ5DM, strahlt er jeden Sonntagmorgen unser Amateurfunkmagazin "HamRadio 2day" auf der bekannten Frequenz 3772 kHz im Achtzigmeterband ab. Bei unserem Messeauftritt auf der HAM RADIO in Friedrichshafen am Bodensee hat sich Diethard zum Beispiel in besonderer Weise eingebracht. Da er all dies neben der Leitung seines Unternehmens ehrenamtlich erbringt, gebührt ihm unser ganz besonderer Dank. Glückwunsch!

Foto: Diethard Balzer, DK2EI, (links) und Oberbürgermeister Norbert Bude bei der Überreichung der Goldenen Ehrennadel der Stadt Mönchengladbach.
(c) Pressestelle Stadt Mönchengladbach.


AGZ NIMMT STELLUNG ZU NEUER AFUV

(rps) Wir berichteten in unserer Ausgabe Nr. 349 am 20. Juni: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat einen Entwurf für eine neue Amateurfunkverordnung mit der Bitte um Stellungnahme veröffentlicht. Genau das haben wir diese Woche getan. Sie können das ausführliche Statement bei uns im Internet nachlesen. Hier nun die wichtigsten Punkte.

Amateurfunkprüfung

Die heutigen Möglichkeiten der unmittelbaren mündlichen Nachprüfung und der Wiederholung nicht bestandener Teilprüfungen sollen künftig wegfallen. Wir sprechen uns gegen diese Absicht aus. Diese beiden Mechanismen betreffen im statistischen Mittel etwa jeden zehnten Prüfling, wie aus Unterlagen der Bundesnetzagentur hervor geht, die der AGZ zur Verfügung gestellt wurden. Ihre Abschaffung würde somit eine spürbare Behinderung des Zugangs zum Amateurfunkdienst bedeuten.

Die heutige Möglichkeit, Zeugnisklasse A direkt innerhalb einer einzigen und eigenständigen Prüfung zu bestehen, soll ebenfalls künftig wegfallen. Auch dies lehnen wir ab. Gemäß den oben genannten Unterlagen der Bundesnetzagentur hat in den letzten Jahren etwa jeder fünfte Prüfling die höchste Amateurfunkklasse ohne den Umweg über Klasse E bestanden. Ein Zwang, zunächst immer Zeugnisklasse E zu bestehen, wäre eine nicht akzeptable und künstlich aufgebaute Barriere für einen relativ großen Personenkreis, der bereits a priori über die entsprechenden Kenntnisse verfügt. Eine durchaus mögliche Verwaltungsvereinfachung muss hier hinter dem Dienst am Bürger zurück stehen.

Allenfalls könnten wir eine hierarchisch zu durchlaufende Prüfungsstruktur akzeptieren, wenn Zeugnisklasse A im selben Termin ohne ein erneutes Anmeldungs- und Zahlungserfordernis abgelegt werden kann. Dies würde eine Anlehnung an das Prüfungssystem der USA bedingen, wo zum gleichen Entgelt und am selben Tag die Module der aufeinander aufbauenden Genehmigungsklassen nacheinander durchlaufen werden. Gleiches würde für eine eventuell später zu schaffende dritte Amateurfunkklasse – die "Entry Level Licence" – gelten, was in einem solchen System durchaus Vorteile hinsichtlich der inhaltlichen Abgrenzbarkeit der Prüfungsmodule hätte.

Nutzungsdetails im Frequenzbereich 50,08 bis 51 MHz

Wir treten dafür ein, die Nutzung des in Deutschland dem Amateurfunkdienst sekundär zugewiesenen Frequenzspektrums bei 50 MHz anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union anzugleichen. Vor dem Hintergrund einer hier nahezu vollkommen ionosphärisch dominierten Signalausbreitung versprechen nationale Schutzregelungen für Primärnutzer schon aus rein physikalischen Gründen keinen Erfolg: Sie sind in weiten Teilen sinnlos.

Insbesondere ist die gegenwärtige Beschränkung der zulässigen Sendearten auf A1A und J3E (Morsetelegrafie und SSB) ein eklatantes Hemmnis bei der Nutzung und beim Studium moderner digitaler Verfahren wie etwa PSK, WSPR, WSJT, Olivia, ROS, Pactor und viele andere. Die Ausübung des Amateurfunkdienstes als ein Funkdienst mit technisch-wissenschaftlichem Anspruch wird in dieser Hinsicht nachhaltig verhindert. Nachdem uns auch nach mehr als zwanzig Jahren Amateurfunkbetrieb auf diesem Band − sogar nachdem vor einiger Zeit alle Funkamateure der Klasse A Zugang erhielten − keine einschlägigen Beeinträchtigungen des Primärnutzers bekannt geworden sind, fordern wir, Nutzungsbestimmung 5 der Anlage 1 der AFuV, also den Passus

"Die Nutzung des Frequenzbereichs kann von der Bundesnetzagentur mit zusätzlichen allgemeinen Auflagen versehen werden; die Nutzung ist auf feste Amateurfunkstellen beschränkt. Die Nutzungsbedingungen werden durch die Bundesnetzagentur festgelegt und in ihrem Amtsblatt veröffentlicht"

in eine generelle und technologieneutrale Bandbreitenbegrenzung auf 2,7 kHz umzuwandeln. Wir sind in diesem Zusammenhang der Auffassung, dass digitale Verfahren bei gleicher Empfangsfeldstärke gegenüber dem Primärnutzer kein höheres Störpotenzial besitzen als das heute allein zulässige SSB und CW. Wir betonen, dass wir die Begrenzung auf eine Strahlungsleistung von 25 Watt ERP nicht in Frage stellen. Wir negieren jedoch mit Nachdruck die Fixierung auf bestimmte althergebrachte und nicht innovative Sendearten, zudem dies im Rahmen eines Blankoschecks für die Bundesnetzagentur geschieht, im Prinzip alles ohne jede Vorgabe alleine auf Verwaltungsebene festlegen zu dürfen.

Contest-Verbot

Für die folgenden Frequenzbereiche gilt zurzeit die Nebenbestimmung, dass "Amateurfunk-Wettbewerbe" nicht durchgeführt werden dürfen:

  • 135,7 − 137,8 kHz,
  • 1850 − 2000 kHz und
  • 10100 − 10150 kHz.

Wir fordern die ersatzlose Streichung mit der Begründung, dass der Begriff "Amateurfunk-Wettbewerb" nicht justiziabel ist. Wir kennen in deutschen Rechtsnormen keine diesbezügliche Definition, die einem Funkamateur zweifelsfrei eine Entscheidung erlauben würde, ob er an einem konkret angetroffenen Amateurfunkverkehr teilnehmen darf oder nicht, ob es sich dabei um einen "Wettbewerb" handelt oder nicht.

Letztlich geht es hier auch um eine Bestimmung, die das persönliche Verhalten des Funkamateurs bzw. seine höchst private Art und Weise, Kommunikationsinhalte zu gestalten und mit anderen Personen in Verbindung zu treten, reglementieren will. Wir halten dies aus verfassungsrechtlichen Gründen für unzulässig. Gemeint ist das Recht auf Freiheit der Rede und auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Eine Regulierung, die wie hier de facto auf eine Deckelung der Anzahl oder der Dauer von Amateurfunkverbindungen abzielt, ist schließlich durch das Amateurfunkgesetz nicht gedeckt und schon aus rein praktischen Gründen nicht umsetzbar.

Bandbreitenregelung oberhalb von 2,4 GHz

Um innovative Experimente mit modernen digitalen Vernetzungsverfahren unter Verwendung marktüblicher Geräte in den ebenfalls dem Amateurfunk in Teilen zugewiesenen WLAN-Bereichen durchführen zu können, regen wir an, oberhalb von 2,4 GHz die maximal nutzbare Bandbreite von 10 MHz auf 40 MHz zu erweitern. Da die multimediale Informationsübertragung hier mittlerweile grundsätzlich digital unter Verwendung des TCP/IP-Protokolls und geeigneter Codecs durchgeführt wird, ist die Abgrenzung von "Fernsehaussendungen" mit höheren Bandbreiten in Anlage 1 der AFuV sachlich nicht mehr zu rechtfertigen und folglich aufzugeben.

In unserer Stellungnahme finden Sie außerdem Positionen zu diesen Themen:

  • Anerkennung ausländischer Amateurfunkgenehmigungen,
  • Betreiben von Amateurfunkstellen erst nach Rufzeichenzuteilung,
  • Ausschließen von Nutzern einer fernbedienten Amateurfunkstelle,
  • Verschlüsselung von Inhalten der Amateurfunkkommunikation,
  • Verpflichtung zur Mitwirkung im Störungsfall, und
  • weitergehende belastende Regelungen im Störungsfall.

Die vorgesehenen neuen Gebührensätze liegen noch nicht vor. Wir werden später dazu Stellung nehmen.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ