HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 354 / 2010 vom 26.09.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


DIG E.V. TRITT AUS RTA AUS – UND DIG IST NICHT GLEICH DIG

(red) Die folgende Nachricht entnehmen wir der aktuellen Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "Funktelegramm".

Die Diplom Interessen Gruppe e.V. – kurz DIG – hat am 10. August 2010 ihre Mitgliedschaft im Runden Tisch Amateurfunk (RTA) per sofort gekündigt. Vorsitzender der DIG e.V. ist Eberhard Warnecke, DJ8OT. Die DIG e.V. hatte und hat nur etwa zehn Mitglieder und hat im Prinzip nichts mit der allseits bekannten DIG – ohne e.V. – zu tun, deren jetziger Sekretär Werner Theis, DH1PAL, ist. Bis vor einiger Zeit war DJ8OT in Personalunion auch DIG-Sekretär, so dass diese feinen Unterschiede niemandem so recht aufgefallen sind. Es ist de facto also so, dass DJ8OT im RTA in der Vergangenheit lediglich die ca. zehn Mitglieder seiner DIG e.V. vertreten hat, nie aber die rund 3500 deutschen Mitglieder der DIG – ohne e.V. Unseres Erachtens wurde die Öffentlichkeit (und vermutlich auch die Behörden) ganz bewusst nie über diese Tatsache informiert. Ein Insider berichtet dem Funktelegramm sogar, dass DJ8OT mit seiner DIG e.V. seinerzeit nur aus Gefälligkeit dem DARC gegenüber in den RTA eingetreten war. Vermutlich, damit der RTA den Anschein einer möglichst breiten demokratischen Legitimierung gegenüber den Behörden erwecken konnte.

Quelle: Funktelegramm


KOMMENTAR

(rps) Die folgenden Mitgliederanzahlen werden zurzeit im "Runden Tisch Amateurfunk" von den jeweiligen Vereinen vertreten:

  DARC 44.300
  VFDB 3.500
  AGCW 2.250
  AMSAT 1.200
  AGAF 1.000
  DIG 6.370

Zusammen sind das 58.620. Die Zahlen entnahmen wir Wikipedia. Der RTA gibt aktuell beim Deutschen Bundestag unter Einbeziehung einiger kleinerer Vereine an, insgesamt 61.000 Personen zu vertreten. Er ist dort genauso in die so genannte Lobbyliste eingetragen wie die AGZ e.V. Abgesehen davon, ob für eine wie auch immer rechtlich strukturierte DIG 6.370 Mitglieder anzusetzen sind oder eben doch nur zehn, stellt sich hier in aller Schärfe die Frage nach der Doppel- oder gar Mehrfachvertretung. Die Anzahl der Funkamateure, die in einem RTA-Verein sind, ohne zugleich auch Mitglied des DARC zu sein, ist wohl ziemlich klein und dürfte 10 Prozent dieser Personen nicht übersteigen. Und noch eine andere Frage drängt sich auf: 6.370 DIG-Mitglieder – wohl ohne e.V. – lassen sich nur erklären, wenn man die etwa 40 Prozent der OM und YLs mit Wohnsitz im Ausland bei dieser Organisation mitzählt, und die haben im RTA nun wirklich nichts zu suchen.

Wenn man dann noch weiß, dass man in der DIG laut deren Satzung nur dann Mitglied sein darf, wenn man gleichzeitig im DARC ist, dann dürfte die tatsächlich vom "Runden Tisch Amateurfunk" vertretene Anzahl von Personen die 50.000 deutlich unterschreiten. Diese Zahl wird in Anbetracht der drohenden psychologischen Barriere von 50 Prozent aller Funkamateure in Deutschland immer wichtiger. 61.000 Mitglieder jedoch erscheinen mir unter diesem Wissen schlicht unglaubwürdig. Wurde diese Zahl vielleicht nur deshalb angegeben, um politisch mit Nachdruck behaupten zu können, man vertrete die große Mehrheit aller Funkamateure in unserem Land und man könne deshalb als einzige Organisation für alle sprechen?

Dieses Märchen hat wohl deutliche Risse bekommen. Eine Reduktion auf die tatsächlichen Gegebenheiten scheint angebracht. Wie die Befindlichkeit im RTA im übrigen momentan ist, das zeigt dessen Stellungnahme zur neuen Amateurfunkverordnung, die diese Woche publik wurde. Hier appelliert der amtierende Vorsitzende Dr. Christoph Rohner, DL7TZ, an das Bundeswirtschaftsministerium, doch seiner früheren Intention wieder treu zu werden und sich bitte nur EINEM – dieses Wort ist in Großbuchstaben geschrieben – amateurfunkpolitisch kompetenten Ansprechpartner zu widmen, und der heißt natürlich RTA. Abgesehen davon, dass dieses gewünschte Verhalten des Staates nicht im Einklang mit unserer freiheitlich-demokatischen Grundordnung steht, fürchtet man offenbar jede Konkurrenz – ein unverständliches Verhalten, denn die Zweidrittel-Grenze ist de facto bereits lange unterschritten und man nähert sich mit Riesenschritten der Vertretung von weniger als 50 Prozent aller Funkamateure in Deutschland.

Ralph, DC5JQ


JÜLICH: SENDEMASTEN VERSCHWINDEN VON MERSCHER HÖHE

(rps) Auf der Merscher Höhe in Jülich ist mit dem Abbau der bis zu 100 Meter hohen Sendemasten der ehemaligen Kurzwellensendeanlage der Deutschen Welle begonnen worden. Gleichzeitig wird noch bis Ende September die gesamte Technik des Kurzwellensenders versteigert. Bis 2009 wurden von dort andere Radiosendungen ausgestrahlt, zuletzt von einem christlichen Missionssender. Was mit dem Gelände weiter geschieht, ist derzeit offen. Denn die auch von HamRadio 2day seinerzeit berichteten Pläne eines Investors, dort einen Camping- und Freizeitpark zu errichten, wurden vom Jülicher Stadtrat abgelehnt.

Quelle: WDR Aachen


KURZWELLENEMPFÄNGER "PAPPRADIO" LIEFERBAR

(rps) Den folgenden auch für innovative Funkamateure interessanten Artikel entnehmen wir FM – dem Funkmagazin. Er zeigt, dass digitale Empfangstechnologien nicht unbedingt teuer sein müssen.

"Pappradio" ist ein Projekt des in Ecuador beheimateten Missionssenders Radio HCJB. Es handelt sich um einen Kurzwellenempfänger in Form einer Blackbox, der an einen PC oder Laptop angeschlossen wird. Das Gerät ist als so genanntes "Software Defined Radio" – kurz SDR – ausgeführt, das heißt, dass ein Großteil der Signalverarbeitung durch den angeschlossenen Rechner erfolgt. Dies hat den Vorteil, dass verschiedene Empfängerfunktionen kostengünstig – ohne teure Hardware – nur durch den Einsatz entsprechender Software realisiert werden können.

Der Empfangsbereich des "Pappradios" reicht von 150 kHz bis 30 MHz. Neben herkömmlichen analogen Aussendungen von Rundfunk, Amateurfunk oder CB-Funk können mit dem Gerät auch digitale Signale wie z.B. DRM – das steht für Digital Radio Mondiale, Funkfernschreiben oder Wetterfax decodiert und hör- bzw. sichtbar gemacht werden. Die erforderliche Software liegt dem Empfänger bei oder kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Wie kam es zu dem Projekt "Pappradio"? Der Missionssender Radio HCJB wollte seinen Hörern ursprünglich nur ein preiswertes Gerät für den Empfang seiner DRM-Aussendungen zur Verfügung stellen. Der Name "Pappradio" geht auf einen Prototyp des Empfängers zurück, der dem Sender in einer Verpackung aus Pappe zugesandt wurde. Bereits im Herbst 2008 hatte Radio HCJB eine einfachere Version des "Pappradios" in einer Kleinserie von 50 Exemplaren aufgelegt, die schnell vergriffen war.

Die Preise der verschiedenen Versionen des "Pappradios", die übrigens deutlich unter 100 Euro liegen, und die Bestelldetails entnehmen Sie bitte der Originalveröffentlichung im Funkmagazin. Die technischen Daten finden Sie auf der Website des Projekts.

Quelle: FM – Das Funkmagazin


ZUM SCHLUSS: WARUM FORDERT DIE AGZ KEINE LEISTUNGSERHÖHUNG

(rps) bei 50 MHz und in Teilen des 1,8-MHz-Bandes, wie das eine andere Organisation mit Alleinvertretungsanspruch in ihrer Stellungnahme zur neuen Amateurfunkverordnung auf ihrem Programm hat? Die Antwort ist einfach: weil es rechtlich nicht geht. Die der AFuV in Sachen Frequenznutzung übergeordnete Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung schreibt nämlich 75 Watt für den Frequenzbereich 1850 bis 1890 kHz, 10 Watt für 1890 bis 2000 kHz und 25 Watt ERP für das 50-MHz-Band ausdrücklich und verbindlich als Obergrenze vor. Die beiden hier relevanten nationalen Fußnoten heißen übrigens D96 und 12. Das kann in der Amateurfunkverordnung nicht ignoriert werden. Wir in der AGZ fordern nichts, was bereits formal gar nicht geht; das wäre nämlich schlicht amateurfunkpolitisch inkompetent.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ