HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 355 / 2010 vom 17.10.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


FREQUENZ GESUCHT

(rps) für ein Relais in Erkelenz. Theo, DG2KCB, möchte im Siebzigzentimeterband eine weitere Relaisfunkstelle aufbauen, am besten im D-STAR-Modus. Leider ist laut Auskunft der Bundesnetzagentur im westlichen Nordrhein-Westfalen in diesem Band keine einzige Frequenz mehr frei. Der Protest der AGZ, dass eine eingehende Bandbeobachtung gleich etliche freie Kanäle zutage fördert, wurde damit beantwortet, dass viele koordinierte und natürlich auch zugeteilte Relaisfrequenzen gar nicht genutzt werden und nur auf dem Papier bestehen würden. Deshalb nun ein Aufruf von Theo, DG2KCB.

Für das Relais DM0UHF wird dringend eine weitere Siebzigzentimeterfrequenz gesucht. Weiss jemand, ob ein Digipeater, ein FM- oder Multimode-Relais seine zugeteilte Frequenz nicht mehr nutzt oder zum Beispiel wegen Hamnet QRT macht? Diese Frequenz möchte ich für DM0UHF gerne übernehmen. Die Ablage – ob 7,6 oder 9,4 MHz – ist zweitrangig. Für Infos wäre ich sehr dankbar! Wer kann weiterhelfen? Infos bitte an Theo, DG2KCB, Sysop von DM0UHF, oder an die Redaktion.


KOMMENTAR

(rps) Besser kann man es nicht aufzeigen: Das System der Koordination automatischer und fernbedienter Amateurfunkstellen ist am Ende. Wenn in einem Ballungsraum auf unabsehbare Zeit keine Frequenzen mehr verfügbar sind und man den Amateurfunkdienst in wichtigen Teilen experimentell nicht mehr verwirklichen kann, dann stellt das nicht nur die so genannten Bandpläne massiv in Frage, sondern das gesamte Verfahren. Dessen Rechtsgrundlagen sind sowieso überholt: "Automatisch" und "fernbedient" ist heute nämlich überhaupt kein Kriterium mehr. Ausnahmslos jede Packet-Radio-, PSK31- oder Pactor-Station fällt darunter, auch wenn der Funkamateur daneben sitzt. Digital ist nämlich immer irgendwie "automatisch" und meist auch "fernbedient": Der PC steuert den Sender, und nicht der Mensch. Streng genommen bedarf auch so etwas der zusätzlichen Rufzeichenzuteilung und einer Koordination. In den Siebzigerjahren, als diese Regelungen erstmals entstanden, gab es derartige Technologien im Amateurfunk nicht.

Die Begrifflichkeiten passen nicht mehr in unsere Zeit. Was früher die Ausnahme war, ist heute der Normalfall. Zusammen mit dem in AGZ-Sicht nicht rechtskonformen Festhalten der Bundesnetzagentur an unverbindlichen Bandplänen privater Vereine und der damit künstlich herbeigeführten Frequenzknappheit ist es längst an der Zeit, diesen Ballast über Bord zu werfen und neue zukunftsorientierte Regelungen zu schaffen. Die Freigabe des Betriebs von unbemannten Amateurfunkanlagen jedweder Art in Frequenzbereichen, die uns primär und exklusiv zugeteilt sind, könnte ein guter Anfang sein.

Ralph, DC5JQ


AREPS NICHT MEHR ERHÄLTLICH

(rps) Wir berichteten über AREPS in unserer Ausgabe 320 am 20. Mai 2009. Diese wirklich exzellente Software zur Simulation und Vorhersage von Ausbreitungsbedingungen wurde vom Space and Naval Warfare Systems Center der US-Navy in San Diego – also vom US-Militär – entwickelt und im Internet zum allgemeinen Download angeboten. Offenbar ist ARPES aber zu gut, denn damit ist es nun vorbei.

Die Redaktion erhielt vom Space and Naval Warfare Systems Center diese Woche eine E-Mail, dass AREPS ab sofort nur noch an US-Organisationen abgegeben wird. Nicht-US-Institutionen und einfache Bürger können die bislang kostenlose Software nur noch gegen einen relativ hohen Preis über die Organisation "Foreign Military Sales" beziehen, aber nur, wenn dies über eine nationale Regierungsstelle sowie die deutsche Botschaft in Washington geschieht und entsprechend befürwortet wird. Das kommt für Funkamateure wohl kaum in Frage. Damit ist nun leider auch das interessante Youtube-Video von Nils Schiffhauer, DK8OK, über AREPS obsolet, wir berichteten in HamRadio 2day Nr. 341. Wohl dem, der die letzten Versionen von AREPS archiviert hat.


USA SCHLAGEN MITTELWELLENFREQUENZEN VOR

(rps) In den Vereinigten Staaten ist man sich einig – im Gegensatz zu Deutschland, wo die Nationale Gruppe zur Vorbereitung der WRC 2012 keinen Konsens finden kann. Der Regulierer FCC und die dortigen Funkamateure wollen, dass diese beiden Segmente in Form einer weltweiten Sekundärzuweisung an den Amateurfunkdienst gehen:

461 bis 469 kHz und 471 bis 478 kHz.

Für Europa und andere Teile der Welt ist diese Frequenzwahl allerdings nicht wirklich vorteilhaft. Denn in diesen beiden Segmenten arbeiten nach wie vor Flugfunkbaken, so genannte Non Directional Beacons – kurz NDBs, die für einige Zeit noch der Navigation dienen. In Deutschland finden wir etwa Sender in Friedrichshafen am Bodensee und in Fritzlar. Sehr stark sind hier im übrigen die Länder der ehemaligen Sowjetunion vertreten. Würde der Vorschlag der USA angenommen, hätte dies bei uns komplizierte Schutzzonenregelungen, Sondergenehmigungen und im Ergebnis einen erhöhten Verwaltungsaufwand zur Folge, und damit haben wir schon bei 50 MHz sehr schlechte Erfahrungen in Deutschland gemacht. Das wollen wir eher nicht, auch unter Kostengesichtspunkten.

Die AGZ und andere Vereine in Europa favorisieren aus diesem Grund nach wie vor Frequenzen um 500 kHz. Dieser Bereich ist – bis auf die natürlich zu schützenden NAVTEX-Frequenzen 490 und 518 kHz – nahezu vollkommen frei. Widerstand gibt es hier allerdings von Organisationen, die den Seefunkdienst vertreten und die diesen ihnen bislang zugeschriebenen Frequenzbereich zurzeit nicht nutzen, aber irgendwann einmal mit etwas anderem wieder nutzen wollen. Es bleibt also wieder einmal spannend.


ZUM SCHLUSS

(rps) geht ein wirklich allerherzlichster Dank an die Redaktion des Amateurfunkmagazins CQ DL für das Titelbild der Oktoberausgabe. Warum? Nun – schauen Sie einfach einmal etwas genauer auf das Mousepad auf dem Operatortisch. So genannte Give-Aways zahlen sich also doch aus.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ