HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 357 / 2010 vom 14.11.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


KURZWELLENSENDER JÜLICH: KOMPLETTABRISS

(rps) Den folgenden Artikel brachten letzte Woche die Aachener Nachrichten unter der Überschrift "die Jülicher Wahrzeichen werden verschrottet". Das war es dann wohl endgültig.

"Die beiden letzten Sendemasten auf der Merscher Höhe, über Jahrzehnte weithin sichtbare Wahrzeichen Jülichs, werden ebenfalls verschrottet. Der Betrieb des Kurzwellensenders war bereits am 24. Oktober 2009 eingestellt worden.

Es hätten sich keine Interessenten für den Sender gefunden, erläutert der Duisburger Immobilienkaufmann Herbert Bollmann. Zwei der Wahrzeichen sollten ursprünglich nach dem Abriss von insgesamt 30 Sendemasten erhalten bleiben. Die Unterhaltungskosten sind hoch, auch der dauerhafte Betrieb des Leuchtfeuers ist nicht billig, nennt Bollmann in erster Linie Kostengründe. Zudem hätten sich Kabeldiebstähle gehäuft.

Interesse, einige Masten etwa als Technikdenkmal zu erhalten, war auch in der Jülicher Politik nicht vorhanden. 'Der Planungsausschuss hat damals entschieden, dass der Investor alle Sendemasten umlegen darf, wenn er möchte. Denn man sah keinen Sinn darin, zwei gegenüberliegende Masten in so großer Distanz zu einander zu erhalten', erklärt Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt Jülich."


DEUTSCHE WELLE: DRASTISCHE REDUKTION DER KURZWELLE

(rps) Es geht klar erkennbar zu Ende mit dem Rundfunk auf Kurzwelle – kaum eine Woche, in der nicht über irgendeine Einstellung von Rundfunksendungen weltweit zu lesen ist. Jetzt trifft es die Deutsche Welle. Nachdem beim ehemaligen Kurzwellensender Jülich nun doch kein einziger Mast mehr steht und nur noch der Kenner an einer einsam zurück gelassenen Log-Periodic-Antenne erkennen kann, was hier einmal stattfand, will der deutsche Auslandsrundfunkdienst die Kurzwelle nahezu vollständig aufgeben. Sendungen im lange als Hoffnungsträger gehandelten digitalen DRM-Modus wurden bereits so gut wie eingestellt. Lesen bzw. hören Sie dazu den folgenden Artikel, den wir der Neuen Osnabrücker Zeitung bzw. der Nachrichtenagentur epd in Auszügen entnehmen.

"Die Deutsche Welle steht vor einer weitreichenden Reform. 'Technologische Neuerungen, vor allem durch das Internet, und ein hoher finanzieller Druck machen Veränderungen nötig', sagte Intendant Erik Bettermann. Der Auslandsrundfunk will sich strukturell neu aufstellen und dabei bis 2014 auch Arbeitsplätze abbauen.

Ein Eckpunktepapier, das dem epd vorliegt, sieht unter anderem vor, dass die Radioausstrahlung über Kurzwelle künftig ausschließlich in Afrika aufrecht erhalten wird. In anderen Weltregionen soll verstärkt auf das Internet und lokale Partnerstationen gesetzt werden. Die Präsenz in Lateinamerika und Russland soll erhöht werden, Südosteuropa wird hingegen nicht mehr zu den Kernregionen gehören. Die 30 Sendesprachen der Deutschen Welle sollen erhalten bleiben. Die bisherige Aufgabenteilung nach Mediengattungen wird den Planungen zufolge entfallen. Die Redaktionen sollen künftig Inhalte für Fernsehen, Hörfunk und Online trimedial aufbereiten. Die DW rechnet für die nächsten Jahre mit einem geringeren Budget. 'Das Sparpaket der Bundesregierung wird auch an uns nicht vorübergehen', sagte der Intendant. Selbst wenn der DW-Etat auf dem heutigen Niveau von 273 Millionen Euro pro Jahr gehalten werden könne, fehlten bis 2014 allein durch Kostensteigerungen insgesamt 23 Millionen Euro."

Quelle: epd


KOMMENTAR

(rps) Das Hören deutscher Rundfunksender im Ausland wird immer mehr an dazu notwendige Infrastrukturen gebunden, die der normale Geschäftsreisende oder Urlauber nur selten zur Verfügung hat: Nach dem nun wohl endgültig drohenden Wegfall der Kurzwelle bleiben letztlich nur Satellit und Internet. Beides steht in keiner Weise derart einfach und kostengünstig zur Verfügung wie ein kleiner Weltempfänger, mit dem man heute noch vollkommen autark in ganz Europa auf 6075 kHz die Deutsche Welle und ihre Nachrichten hören kann und der wirklich in jedes Reisegepäck passt. Das Ende dieser Frequenz ist jedoch bereits beschlossene Sache. Datenflatrates für Mobilfunknetze und der Internetanschluss im Hotel kosten dagegen im Ausland richtige Summen und Satellitenantennen kann man kaum unterwegs einfach mal eben aufbauen, ganz zu schweigen von deren Transport. Internet und Satellit werden zudem auch von den deutschen Landesrundfunkanstalten der ARD und vielen Privaten bedient, und nicht nur von der Deutschen Welle, deren Alleinstellungsmerkmal bislang die Kurzwelle ist. Da wird sich bestimmt irgendwann einmal die Frage nach der Existenzberechtigung dieses Senders schlechthin stellen.

Zur Kurzwelle alternative Varianten sind zudem abhängig von teils komplexen Systemen im Hintergrund. Der Zugang zu Information kann deshalb auf vielfältige Weise beeinträchtigt und kontrolliert – und in manchen Ländern auch zensiert – werden. Deutsche Nachrichtensendungen im Ausland erschließen sich damit – in gefilterter Form allerdings – nur noch dem sesshaften Einwohner, nicht aber ohne weiteres dem Reisenden.

Abgesehen vom freien Zugang zu Informationen bin ich mir absolut nicht sicher, ob es geboten erscheint, altbewährte und robuste Infrastrukturen unwiederbringlich abzubauen, die auch und vor allem in Not- und Katastrophensituationen zuverlässig funktionieren, weil sie eben eine geringe Komplexität haben und gleichzeitig große Gebiete abdecken. Das fängt an beim flächendeckenden Sirenennetz, das wir Mitte der Neunzigerjahre zumindest in den Großstädten abgebaut haben, und endet bei der nicht mehr das gesamte Bundesgebiet abdeckenden terrestrischen Fernsehversorgung durch DVB-T und der fortschreitenden Abschaltung von Mittelwellensendern der ARD.

Vernetzte digitale Systeme ermöglichen eine Vielzahl neuer medialer Strukturen – sie haben aber leider auch Nachteile: Sie sind störanfälliger – wir sollten deshalb zumindest eine belastbare Fallbacklösung in der Hinterhand behalten. Wir Funkamateure sind hier klar im Vorteil: Auf unseren Fahnen steht Autarkie.

Ralph, DC5JQ


EINE FLÜSSIGE ANTENNE

(rps) hat kürzlich das Space and Naval Warfare Systems Center der US-Navy in San Diego entwickelt. Dieser Aufbau verwandelt leitfähiges Meerwasser in einen wirksamen Strahler, der vor allem auf Schiffen und bei Not- und Katastrophenszenarien flexibel und schnell eingesetzt werden kann.

Der Prototyp der Antenne besteht aus einer Wasserpumpe, einer Düse für den austretenden Wasserstrahl und einer Magnetspule, durch die das Wasser vor der Düse hindurchgeschossen wird, um seine Leitfähigkeit zu erhöhen und um die Hochfrequenzenergie einzukoppeln. Vorgesehen ist die flüssige Antenne für den Frequenzbereich von 2 bis 400 MHz, je nach Länge des hoch geschossenen Wasserstrahls. Ursprünglich wollte man in San Diego Platzprobleme auf kleineren Kriegsschiffen lösen, die bereits eine enorme Anzahl von Antennensystemen an Bord haben. Denkbar sind jedoch auch viele andere Situationen, in Frage kommen zum Beispiel diverse DXpeditionen im Amateurfunk, die oft direkt am Strand eines Ozeans durchgeführt werden. Hier eröffnet sich ein vollkommen neues Experimentierfeld. An Land müsste natürlich Salz hinzugefügt werden. Anschauen können Sie sich diese Antenne im Internet. Den Link dazu finden Sie in den Textausgaben von HamRadio 2day.


KOSTENLOSES E-BOOK ÜBER WELLENAUSBREITUNG

(rps) Steve, G0KYA, und Alan, G3NYK, haben ein englischsprachiges Buch im PDF-Format geschrieben, das Ausbreitungsphänomene von der Lang- bis zur Kurzwelle leicht verständlich erklärt. Von den Grundlagen bis hin zur Vorhersage enthält dieses Buch umfassende Informationen. Kostenlos laden können Sie die Veröffentlichung hier:

www.g0kya.blogspot.com


Vy 73,
Ralph, DC5JQ