HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 366 / 2011 vom 13.03.2011


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


GRUND FÜR AUSGEPRÄGTES MINIMUM GEFUNDEN?

(rps) Die angesehene naturwissenschaftliche Fachzeitschrift Nature hat in ihrer März-Ausgabe eine interessante Hypothese veröffentlicht, die das diesmal extrem lange und ausgeprägte Minimum der Sonnenaktivität erklären könnte. Laut einem der Autoren, Piet Martens, war das letzte Minimum etwa doppelt so lang und enthielt wesentlich mehr vollkommen sonnenfleckenfreie Tage im Vergleich zum Durchschnitt der letzten mehr als 200 Jahre; nur die Minima der Jahre 1913 und 1810 kamen dem in etwa gleich.

Nachdem Martens mit seinen beiden Kollegen Dibyendu Nandi vom Indian Institute of Science Education and Research in Kolkata und Andres Munoz-Jaramillo von der Montana State University 210 Sonnenfleckenzyklen analysiert und modelliert hatte, stand das Ergebnis fest: Ausgeprägte und lange Minima korrelieren mit sehr schwachen magnetischen Feldern an den Polen der Sonne. Die NASA unterstütze daraufhin das Ziel, eine detaillierte Modellierung der physikalischen Vorgänge auf der Sonne mittels Supercomputern vorzunehmen. Dabei fand man heraus, dass Plasmaströme tief im Inneren der Sonne mit der Entstehung von Sonnenflecken interferieren, sie also behindern, und damit das Aktivitätsminimum vertiefen und verlängern.

Ein möglichst tiefes wissenschaftliches Verständnis des Sonnenfleckenzyklus ist nicht nur für uns Funkamateure wichtig. Auch die Raumfahrt mit ihren heute vielfältigen kommerziellen und wirtschaftlichen Dimensionen ist betroffen und stark daran interessiert: Erhöhte Strahlungsintensität macht nämlich den Aufenthalt im Raum gefährlicher, zurückgehende solare Ultraviolettstrahlung beeinflusst die obere Atmosphäre, indem sie abkühlt und sich zusammen zieht. In Folge hält sich Weltraumschrott länger in der Umlaufbahn, bevor er verglüht und andere Objekte nicht mehr bedrohen kann. Und schließlich gefährdet hohe solare Aktivität die Elektronik an Bord von Raumfahrzeugen und Satelliten.

Allerdings ist die eigentliche Frage damit noch lange nicht beantwortet, das Problem wurde nämlich nur verlagert – und zwar von den Sonnenflecken an der Oberfläche auf die Physik von Plasmaströmen im Inneren der Sonne. Und die stellen ein mindestens genauso unberechenbares Phänomen dar wie die Sonnenflecken selbst. Chaotische und stochastische Vorgänge sind eben selbst mit unseren leistungsfähigsten Rechnern zurzeit nur eingeschränkt behandelbar – und von einer zuverlässigen Langzeitvorhersage der Sonnenaktivität sind wir noch ziemlich weit entfernt.

Quelle: NASA und ARRL


TKG-ÄNDERUNG OHNE MODIFIKATION DES AFUG

(rps) Die aktuell anstehende Novellierung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) hat vor allem das Ziel, den Verbraucherschutz zu stärken und den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt zu unterstützen. Mehrere Richtlinien der Europäischen Union sind hier national umzusetzen. In direkter Weise ist der Amateurfunk davon nicht betroffen – allerdings in indirekter Weise ziemlich massiv. Wir berichteten bereits am 31. Oktober 2010 in unserer HamRadio-2day-Ausgabe Nr. 356, dass im TKG sowohl der Frequenznutzungsplan als auch die Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung umbenannt und in ihren Aufgaben neu definiert werden. Sie sollen nun "Frequenzverordnung" und "Frequenzplan" heißen. Ziel ist hier eine Entbürokratisierung und Flexibilisierung, indem zum Beispiel die Frequenznutzungsplanaufstellungsverordnung wegfällt und Frequenzen noch zeitnäher und technologieneutraler zugeteilt werden sollen.

Nach wie vor bedarf es grundsätzlich der Zuteilung einer Frequenz, bevor man sie nutzen darf. Hierunter versteht man nur das Senden, nicht aber das Empfangen. Eine Zuteilung kann entweder allgemein für jedermann ausgesprochen werden; CB-Funk, PMR446 und Freenet sind hier nur einige Beispiele unter vielen anderen. Frequenzen können auch mit einem individuellen Verwaltungsakt zugeteilt werden, etwa bei Rundfunksendern oder beim Betriebsfunk. Der Amateurfunk bildet allerdings eine Ausnahme: Wir sind der einzige Funkdienst, der seine Frequenzen kraft eines Gesetzes nutzen darf: Paragraf 3 Absatz 5 des Amateurfunkgesetzes bestimmt, dass die im Frequenznutzungsplan unter dem TKG vom 25. Juli 1996 ausgewiesenen Frequenzen des Amateurfunkdienstes uns zugeteilt sind.

Und hier sieht man auch gleich die beiden Probleme: Das Telekommunikationsgesetz aus dem Jahre 1996 gibt es schon lange nicht mehr – es wurde 2004 vollständig aufgehoben und insgesamt durch ein neues TKG ersetzt – und den im AFuG genannten Begriff "Frequenznutzungsplan" wird es bald auch nicht mehr geben. Die AGZ hat am 24. Oktober 2010 in einem Statement das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie darauf hingewiesen, dass die Frequenznutzung im Amateurfunkdienst bei Inkrafttreten der nun anstehenden TKG-Novellierung insgesamt in Frage gestellt sein könnte, da der entsprechende Paragraf im AFuG ab diesem Tag dann endgültig ins Nichts verweist.

Am 2. März hat die Bundesregierung nun einen geänderten Entwurf der TKG-Novellierung verabschiedet, der die Stellungnahmen diverser Interessengruppen berücksichtigt – oder auch nicht. Leider findet sich dort die von uns angeregte Änderung des Amateurfunkgesetztes nicht wieder, die alleine zukünftig eine Rechtssicherheit gewährleisten könnte. Wir hatten angeregt, anstatt auf den nicht mehr existenten Frequenznutzungsplan auf die künftige Frequenzverordnung in ihrer jeweils geltenden Fassung zu verweisen. Die Aufgaben des neu geschaffenen und im Amateurfunk inhaltlich überflüssigen Frequenzplans übernimmt bei uns zudem voll und ganz die Amateurfunkverordnung. Auch aus diesem Grund ist eine gleichzeitige AFuG-Änderung nur in diesem Punkt sinnvoll und notwendig.

Der Gesetzestext wird nun in den Bundestag eingebracht. Dort steht der AGZ e.V. natürlich die Möglichkeit offen, Ausschüsse und Abgeordnete auf das Problem hinzuweisen und auf parlamentarischer Ebene eine Änderung des AFuG anzustreben. Das TKG-Änderungsgesetz könnte nämlich vollkommen kostenneutral durch einen weiteren Artikel ergänzt werden, der nur Paragraf 3 Absatz 5 des Amateurfunkgesetzes entsprechend anpasst.


SONDERSTATION ZU EHREN MARCONIS

(rps) Der Amateurfunkclub des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders ORF betreibt vom 29. April bis zum 1. Mai in Wien die Sonderstation OE11M. Sie wird am International Marconi Day – das ist der 30. April – teilnehmen und für das IMD-Award gültig sein – und damit das Lebenswerk von Guglielmo Marconi und insbesondere seine großen Verdienste um die Entwicklung der drahtlosen Kommunikation würdigen. Unterstützt wird diese Aktion von DokuFunk bzw. QSL Collection, einer österreichischen Initiative, die das Ziel hat, möglichst viele Originalstücke zu sammeln und zu bewahren, um die Geschichte des Amateurfunks für die Nachwelt dokumentieren zu können.

Quelle: RSGB


Vy 73,
Ralph, DC5JQ