HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 379 / 2011 vom 09.10.2011


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


NACHTAUSSENDUNG FÜR HAMRADIO 2DAY

(rps) Wir versuchen etwas neues: Ab sofort senden wir HamRadio 2day zusätzlich Sonntagsabends um 23:00 Uhr Ortszeit auf einer freien Frequenz in der Nähe von 3750 kHz im Achtzigmeterband. Erste Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll – sowohl hinsichtlich der Reichweite als auch hinsichtlich der Zuhörerzahl: Wir erreichen fast ganz Europa mit hohen Feldstärken. Standort der Sendeanlage ist Mönchengladbach.

Bestätigen Sie bitte diese Aussendung bei Johannes, DJ5DM. Er ist der OM, der diese neue Nachtaussendung für die AGZ durchführt. Das ist natürlich auch via E-Mail möglich. Hier die Adresse: dk0agz@agz-ev.de. Bei Erfolg werden wir diese Testsendungen in den langfristigen Regelbetrieb überführen.


MITTELWELLE: CEPT-GREMIUM EINIGT SICH AUF FREQUENZEN

(rps) In der letzten Septemberwoche tagte bei der Bundesnetzagentur in Mainz ein Gremium der CEPT – also der europäischen Vereinigung der Regulierungsbehörden, das sich mit der Positionierung der Mitgliedsstaaten auf der im Januar 2012 stattfindenden Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion ITU befasst. Die Gruppe mit Namen "Project Team C" – eine Untergliederung des Electronic Communication Committee der CEPT – beschäftigte sich auch mit dem Tagesordnungspunkt 1.23 der WRC 2012. Hier geht es darum, dem Amateurfunkdienst ein bis zu 15 kHz breites Frequenzsegment bei 500 kHz auf der Mittelwelle weltweit mit Sekundärstatus zuzuweisen; wir berichteten bereits mehrfach.

Es konnte in Mainz ein echter Durchbruch erzielt werden: "Project Team C" einigte sich jetzt erfreulicherweise auf einen konkreten Frequenzvorschlag, der von Großbritannien ausgearbeitet und von Schweden und Frankreich mit eingebracht wurde: 472 bis 480 kHz soll es werden mit einer Beschränkung auf eine effektive isotrope Strahlungsleistung von fünf Watt. Das sind zwar nur acht Kilohertz und keine fünfzehn, dafür endete aber ein langer Disput über dieses Thema. Mit der aktuellen Frequenzwahl werden die Interessen des Seefunkdienstes gewahrt, der den traditionsreichen Bereich um 500 kHz in Zukunft mit digitalen Protokollen eventuell erneut und verstärkt nutzen will. Außerdem senden zwischen 472 und 480 kHz nur noch sehr wenige Anlagen des Flugfunkdienstes, die so genannten "Non-directional Beacons" – kurz NDBs, die zur Navigation benutzt werden. Sie sind zugunsten modernerer Verfahren mittelfristig auf dem Rückzug. Der Vorschlag wird nun der CEPT vorgelegt mit dem Ziel, ihn im November offiziell zur europäischen Position zu deklarieren.

Es gibt jedoch einen Wermutstropfen: Deutschland unterstützt den Ende September vom "Project Team C" gefundenen Kompromiss in Sachen Tagesordnungspunkt 1.23 bislang nicht. Das ist bedauerlich, war es doch unser Land, das das Thema "Mittelwelle für den Amateurfunkdienst" seinerzeit überhaupt erst auf die WRC-Agenda gebracht hat. Der Hintergrund: Die so genannte "Nationale Gruppe zur Vorbereitung der WRC 2012" hat sich noch nicht auf eine Position zum Tagesordnungspunkt 1.23 einigen können. Auf ihrer Sitzung am morgigen 10. Oktober ist dazu nun die letzte Gelegenheit.


50 MHZ: PETITION FÜR MEHR NORMALITÄT

(rps) Es ist ein wirkliches Ärgernis: Seit dem Jahr 1990 gibt es in Deutschland die Nutzung des Sechsmeterbandes durch den Amateurfunkdienst. Und seitdem hat sich an den Nutzungsbedingungen nichts geändert: Sie sind nach wie vor innovationsfeindlich und im europäischen Kontext nicht konkurrenzfähig: Das Verbot digitaler Übertragungsverfahren und die Beschränkung auf eine effektive Strahlungsleistung von lediglich 25 Watt degradieren dieses Band in Deutschland zu einer Farce. Diese rückwärtsgewandten Restriktionen stehen außerdem in einem krassen Widerspruch zum Gesetzesanspruch des Amateurfunks als ein technisch-wissenschaftlicher Funkdienst.

Mario Theiss, DK5VQ, ist nun der Kragen geplatzt. Er hat im August beim Deutschen Bundestag eine öffentliche Petition eingereicht, mit der er die "Angleichung des Zugangs zum 50-MHz-Amateurfunkband an europäische Standards" fordert. Die Petition hat folgenden Wortlaut:

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen, den Zugang zum 50-MHz-Amateurfunkband an europäische Standards anzugleichen. Nahezu allen europäischen Funkamateuren wird im 50-MHz-Bereich die Nutzung von digitalen Betriebsarten wie z.B. JT6M, ISCAT etc. ermöglicht. Diese Betriebsarten gestatten mit wesentlich kleinerer Leistung und Bandbreite eine effektive störungsfreie Kommunikation. Von daher fordere ich, den Zugang zum 50-MHz-Amateurfunkband europaweit zu harmonisieren."

Die inhaltliche Position von DK5VQ: Es gibt technisch keinerlei plausible Begründung für die aktuellen Restriktionen im 50-MHz-Amateurfunkband. Durch die Beschränkung der Ausgangsleistung und der Betriebsarten stehen die deutschen Funkamateure hier europaweit an letzter Stelle. Die Beschränkungen sind technisch nicht nachvollziehbar und muten deshalb wie Willkür an.

Die AGZ unterstützt die Petition ausdrücklich und vorbehaltlos. Wir spielen OM Mario's Initiative nicht wie andere Vereine mit Begriffen wie "demokratisches Grundrecht eines jeden Bürgers" herunter und verweisen auch nicht statt dessen auf die erfolglosen eigenen Bemühungen. Wir rufen alle Funkamateure auf, die Petition zu unterzeichnen. Sie können dies nach einer persönlichen Registrierung auch im Internet tun, wo Sie den Vorgang auf den Seiten der Öffentlichen Petitionen des Deutschen Bundestags finden. Die Textversionen von HamRadio 2day enthalten den Link dazu. Zum mitzeichnen haben Sie Zeit bis zum 14. Oktober, also nicht mehr lange.


50 MHZ: WAS HAT DIE AGZ GETAN?

(rps) Das Thema 50 MHz steht seit langer Zeit auf der Agenda der AGZ e.V. Bei vielen Gelegenheiten haben wir vom Staat Änderungen eingefordert, etwa bei allen Novellierungen von Amateurfunkverordnung und Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung. In diesem Zusammenhang muss betont werden, dass der alleinige Ansprechpartner für uns das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist. Die Bundesnetzagentur führt lediglich Verwaltungsbestimmungen aus, sie macht jedoch keine Rechtsverordnungen, die unsere Frequenznutzungen definieren. Auch der militärische Primärnutzer ist nicht unser Gesprächspartner, wie uns mehrfach bedeutet wurde. Insgesamt haben wir zu keiner Zeit auch nur irgendeine positive Antwort bekommen. Wir wurden immer wieder aufs Neue vertröstet – jahrelang.

Vor dem Hintergrund der jetzt laufenden Petition im Deutschen Bundestag fordern wir den Verordnungsgeber noch einmal mit Nachdruck auf, unsere vor dem europäischen Hintergrund nur natürlich und angemessen formulierten Forderungen umzusetzen. Zumindest verlangen wir eine kurzfristige Aufhebung der Beschränkung auf Technologien der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts – will sagen auf die Sendearten SSB und CW. Statt dessen fordern wir eine generelle und von Sendearten unabhängige Bandbreitenlimitierung analog zu allen anderen Frequenzen des Amateurfunkdienstes.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ