HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 380 / 2011 vom 16.10.2011


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


NATIONALE GRUPPE BESCHLIESST MITTELWELLE ZU UNTERSTÜTZEN

(rps) Wir berichteten letzte Woche: Eine Arbeitsgruppe der CEPT – der Vereinigung europäischer Regulierungsbehörden – hat sich Ende September nicht nur darauf geeinigt, den Punkt "Mittelwelle für den Amateurfunkdienst" auf der im Januar in Genf stattfindenden Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion ITU zu unterstützen, man hat überdies auch gleich ein geeignetes Frequenzsegment identifiziert, das die Interessen der Primärnutzer Flugnavigations- und mobiler Seefunkdienst berücksichtigt. Ginge es nach dem "Project Team C", dann soll 472 bis 480 kHz weltweit zugewiesen werden, und zwar mit Sekundärstatus und maximal fünf Watt EIRP an Strahlungsleistung.

Die Bundesrepublik Deutschland konnte sich bislang nicht entschließen, eine Mittelwellenzuweisung an die Funkamateure überhaupt zu unterstützen, sie war also wieder einmal Außenseiter in Europa in Sachen Amateurfunk. Die Nationale Gruppe zur Vorbereitung der WRC 2012 tagte in Bonn nun am 10. Oktober zum letzten Mal vor Konferenzbeginn. Auch diesmal prallten die gegensätzlichen Positionen wieder unverändert aufeinander. Der Vorsitzende des Gremiums führte ins Feld, er könne keine spezifisch deutschen Interessen des Seefunks am ins Auge gefassten Frequenzbereich erkennen, schließlich hätten andere bedeutende Seefahrernationen wie England, Frankreich und Schweden bereits zugestimmt. Ihm seien auch keine konkreten Pläne der Seefunker bekannt, die in Zukunft ohne die besagten acht Kilohertz nicht zurechtkommen könnten, zudem werde lediglich eine sekundäre Zuweisung mit kleiner Strahlungsleistung begehrt. Positiv wurde vom Vorsitzenden auch gewertet, dass die deutschen Funkamateure ein kleineres Segment als ursprünglich gewollt akzeptieren und dass die Vertreter des Flugnavigationsfunkdienstes ihre Zustimmung bereits signalisiert haben. Trotzdem – es war kein Konsens herbeizuführen.

Am Ende beschloss der Vorsitzende der Nationalen Gruppe – das ist Ministerialrat Peter Voss vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie – gegen den Widerstand der Bundesministerien für Verkehr und Verteidigung, dass Deutschland den Vorschlag von "Project Team C" auf CEPT-Ebene unterstützen wird. Er folgte damit einer in der Diskussion zu erkennenden Mehrheit der Mitglieder der Nationalen Gruppe. Eine nachvollziehbare Sachbegründung für ihr offenbar unverhandelbares Nein lieferten beide opponierenden Ministerialvertreter aus Sicht der meisten Sitzungsteilnehmer bis heute nicht. Sie stellten am Ende lediglich fest, dass das so genannte Benehmen im Sinne der zwischenministeriellen Geschäftsordnung nicht hergestellt worden sei. Die deutsche Haltung zu allen anderen Tagesordnungspunkten der WRC 2012 wurde im Übrigen einstimmig und im Konsens von der Nationalen Gruppe beschlossen.
 
Der deutsche Amateurfunkdienst wurde in der Nationalen Gruppe erfolgreich vertreten von Ulrich Müller, DK4VW, für den DARC und von Dr. Ralph Schorn, DC5JQ, für die AGZ.

Wie geht es nun weiter? Vom 1. bis zum 4. November findet in Bukarest eine Konferenz-Vorbereitungstagung der CEPT statt, auf der die europäischen Positionen zu den WRC-2012-Tagesordnungspunkten endgültig beschlossen werden. Der Ende September vom "Project Team C" erarbeitete Vorschlag für die Mittelwellenfrequenzen wird dort dem Plenum vorgelegt und von den Teammitgliedern befürwortet. Erfahrungsgemäß steht einem entsprechenden CEPT-Beschluss dann kaum noch etwas im Wege. Wir bleiben dran.


BEREITS GENEHMIGTE AMATEURFUNKANTENNE VON GERICHT VERBOTEN

(rps) Diversen medialen Quellen entnehmen wir diese Woche einen ziemlich bemerkenswerten Vorgang. Wir zitieren im Folgenden die "Neue Osnabrücker Zeitung" vom 11. Oktober.

"Gericht verbietet 'bedrohliche Riesenantennen' in Osnabrücker Wohngebiet

Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat entschieden, dass eine von der Stadt Osnabrück genehmigte Amateurfunkantennenanlage in einem reinen Wohngebiet nicht zulässig ist. Ein Nachbar hatte geklagt.

Die bis auf 18,5 Meter ausfahrbare Antenne ist auf einem Stahlgittermast montiert und besteht im Wesentlichen aus zwei Parabol- und fünf längeren Stabantennen. Die Anlage sei mit der konkreten Eigenart des Baugebietes nicht vereinbar, heißt es in dem Urteil vom 16. September 2011, das das Verwaltungsgericht am Dienstag veröffentlichte.

Das Antennenfeld überrage die Wohnhäuser und die als Außenwohnbereiche bedeutsamen, nahezu parkähnlich angelegten Gärten der Grundstücke. Es bilde einen Fremdkörper im dortigen Wohngebiet und dominiere es in unangemessener Weise. Bereits aus diesem Grunde sei der Kläger in seinen Nachbarrechten verletzt. Darüber hinaus werde die Wohnqualität des Kläger-Grundstückes durch die Antennenanlage in unzumutbarer Weise beeinträchtigt, weil die flächig erscheinenden Antennen wegen ihres nur sehr geringen Abstandes zur Terrasse – die kürzeste Entfernung beträgt rund 4,3 Meter – und ihrer Höhe von mindestens 10 Metern extrem bedrohlich und erdrückend wirkten. Das Aktenzeichen des Urteils lautet 2 A 70/08.

Aufgrund des zusätzlich gestellten Antrages des Klägers, bereits vorläufig Abhilfe zu schaffen, hat das Gericht die Stadt Osnabrück verpflichtet, den Betreibern der Antennenanlage umgehend unter Anordnung der sofortigen Vollziehung aufzugeben, die Anlage unverzüglich bis zum Eintritt der Rechtskraft des Urteils bis auf den Erdboden abzuklappen. Der Beschluss vom 28. September 2011 hat das Aktenzeichen 2 B 18/10."

Quellen: Neue Osnabrücker Zeitung, Stadtblatt Lingen und  FM – Das Funkmagazin


KOMMENTAR

(rps) Ein bereits vom Bauamt genehmigtes Gebäude bzw. eine Anlage wieder entfernen zu müssen, weil die Baugenehmigung nachträglich von einem Verwaltungsgericht für ungültig erklärt wird, das stellt natürlich – wie beim EON-Kohlekraftwerk in Datteln – sofort die Frage nach dem Schadenersatz – schließlich hat der Funkamateur im Bewusstsein gehandelt, nichts Rechtswidriges unternommen zu haben. Abbau durch eine Fachfirma und Neubau einer genehmen Antennenanlage bis hin zu einem eventuellen Umzug – all das kann die zuständige Stadtverwaltung – sprich den Steuerzahler – eine ganze Menge Geld kosten, sollte das erstinstanzliche Urteil tatsächlich rechtskräftig werden.

Der Vorgang ist eine gute Gelegenheit für den Redakteur, noch einmal mit Nachdruck die Empfehlung für aktive Funkamateure auszusprechen, wenn möglich nicht in einem reinen Wohngebiet mit Bebauungsplan zu wohnen. Hier ist nämlich – wie man wieder einmal sieht – Ärger mehr als vorprogrammiert, Dittelbrunn lässt grüßen. Mischgebiete ohne Bebauungsplan sehen zwar nicht ganz so "aufgeräumt" und "parkähnlich" aus, sie bieten jedoch in Sicht des Redakteurs weit weniger baurechtliche Angriffsflächen.


NACHTAUSSENDUNG FÜR HAMRADIO 2DAY

(rps) Wir versuchen etwas neues: Ab sofort senden wir HamRadio 2day zusätzlich Sonntagsabends um 23:00 Uhr Ortszeit auf einer freien Frequenz in der Nähe von 3750 kHz im Achtzigmeterband. Erste Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll – sowohl hinsichtlich der Reichweite als auch hinsichtlich der Zuhörerzahl: Wir erreichen fast ganz Europa mit hohen Feldstärken. Standort der Sendeanlage ist Mönchengladbach.

Bestätigen Sie bitte diese Aussendung bei Johannes, DJ5DM. Er ist der OM, der diese neue Nachtaussendung für die AGZ durchführt. Das ist natürlich auch via E-Mail möglich. Hier die Adresse: dk0agz@agz-ev.de. Bei Erfolg werden wir diese Testsendungen in den langfristigen Regelbetrieb überführen.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ