HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 383 / 2011 vom 13.11.2011


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


50 MEGAHERTZ – AGZ FORDERT ERNEUT DIGITALE SENDEARTEN EIN

(rps) Anlässlich der vor dem Deutschen Bundestag eingereichten Petition zur Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten des Sechsmeterbandes im Amateurfunk – wir berichteten – hat die AGZ e.V. am 23. Oktober dieses Jahres ihre diesbezügliche Position noch einmal gegenüber dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie klargestellt und unterstrichen. Der Brief an den zuständigen Abteilungsleiter Ministerialdirektor Dr. Schuseil hatte den folgenden Wortlaut:

"Die deutschen Amateurfunkverbände verlangen seit vielen Jahren, die Nutzungsdetails des Frequenzsegments 50,08 bis 51 MHz europäischen Standards anzupassen. Wir haben unsere Position Ihrem Hause gegenüber seit dem Jahr 2000 mehrfach ausführlich dargelegt.

Aus Anlass einer im August 2011 beim Deutschen Bundestag eingereichten Petition eines einzelnen Funkamateurs, die dasselbe Ziel verfolgt, weisen wir noch einmal mit Nachdruck auf unsere Forderung hin, zumindest die innovations- und technikfeindliche Einschränkung der Kommunikation auf Morsetelegrafie (!) und analoge Einseitenbandtelefonie ersatzlos aufzuheben.

Zurzeit verbietet die Rechtslage nämlich den Einsatz und die Weiterentwicklung moderner digitaler Übertragungsverfahren: Wir meinen, dieses Festhalten Ihres Hauses an Technologien der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist einem wissenschaftlichen Experimentalfunkdienst in keiner Weise angemessen – und dem Anspruch eines technologie-orientierten Ministeriums wohl auch nicht.

Wir fordern Sie deshalb auf, die in Verfügung Nr. 36/2006 der Bundesnetzagentur – geändert durch Verfügung 69/2007 – niedergelegten Nutzungsbedingungen derart zu ändern, dass der Passus

'Zugelassene Sendearten: A1A (generell nur in Morsecode) und J3E'

ersetzt wird durch die technologieneutrale Formulierung

'Zugelassene Bandbreite: maximal 2,7 kHz'.

Dies geht ohne Änderung von Rechtsverordnungen allein auf Amtsblattebene. Wir wollen nicht auf ein neues Amateurfunkgesetz nebst Amateurfunkverordnung warten. Dies dauert noch mindestens ein bis zwei Jahre – und bis dahin sind die außergewöhnlichen ionosphärischen Ausbreitungsbedingungen des bevorstehenden Sonnenfleckenmaximums nämlich vorüber. Wir bitten Sie deshalb um schnelles Handeln."

Soweit unser Schreiben an das BMWi.


DIE ANTWORT

(rps) Am letzten Donnerstag, also am 10. November, erreichte uns nun die Antwort des BMWi, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Hier ist sie.

"Die weiterhin bestehenden Nutzungsbeschränkungen bei 50 MHz sind den besonderen Sicherheitsinteressen des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) geschuldet und waren und sind mit diesem abzustimmen. Ihnen ist ja bekannt, dass es sich hier um einen zivil-militärischen Frequenzbereich handelt. Das BMVg betrachtet die gegenwärtigen Regelungen als einen funktionierenden Kompromiss, der durch Zugeständnisse seitens des BMVg in den letzten Jahren Verbesserungen für die Funkamateure erbracht hatte. Weiteren Verbesserungen (beispielsweise die zugelassenen Sendearten durch eine zugelassene Bandbreite zu ersetzen) stimmt das BMVg nicht zu. Die Sicherheitsinteressen müssen Vorrang vor den aus Sicht der deutschen Funkamateure verbesserten technischen Bedingungen haben.

Im Übrigen kann ich nicht erkennen, dass gemeinsame europäische Standards für den Frequenzbereich 50,08 - 51 MHz bereits festgelegt sind oder auch nur die Absicht besteht, solche Standards einzuführen.

Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass die aktuelle Rechtslage generell den Einsatz und die Weiterentwicklung moderner digitaler Übertragungsverfahren verbietet. Es gibt zahlreiche dem Amateurfunkdienst zugewiesene Frequenzbereiche, in denen der Einsatz und die Weiterentwicklung moderner digitaler Übertragungsverfahren möglich sind. Selbstverständlich bezieht sich aber die Einschränkung aus den oben genannten Gründen auf den in Frage stehenden Frequenzbereich."

Soweit die Antwort des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, die mit dem Verteidigungsministerium abgestimmt ist. Sie wurde gleichlautend auch dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zugeleitet.


KOMMENTAR

(rps) Die logische Struktur dieses Antwortschreibens lässt sich mit einem einzigen Satz zusammenfassen: Die Verwendung moderner digitaler Übertragungsverfahren wie WSJT, WSPR, PSK31, Pactor und andere sei mit den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland nicht vereinbar. Man bedenke zu diesem unheimlich wichtig und hoheitlich klingenden Statement, dass Verschlüsselung im Amateurfunk grundsätzlich verboten ist und dass alle verwendeten digitalen Verfahren offengelegt und von jedermann empfangbar sind – auch von der Bundeswehr. Dass hier Sicherheitsinteressen berührt sein können, ist deshalb nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar – zumal es uns in keiner Weise um die Erhöhung der maximalen Strahlungsleistung geht, die zurzeit bei 25 Watt ERP liegt. Es ging in unserem Brief nur und allein um das Verfahren der Übertragung, das wir modernen Standards anpassen wollen – und das ist gerade bei der im Vergleich zu unseren Nachbarn sehr geringen zugestandenen Senderleistung bitter notwendig – speziell, was Erde-Mond-Erde- und sonstige Scattermodes angeht.

Eine Begründung für die uns diese Woche übermittelte ministerielle Position enthält das letztlich vom Bundesministerium der Verteidigung stammende Statement genauso wenig wie kürzlich die Ablehnung der Mittelwellenzuweisung an den Amateurfunkdienst in der Nationalen Gruppe zur Vorbereitung der WRC-2012. Es scheint dem Redakteur deshalb nicht um die eigentliche Sache zu gehen, sondern um ganz andere Dinge. Nur so kann man die süffisante Bemerkung interpretieren, dass die aktuelle Rechtslage nicht generell – das heißt auf allen Frequenzen – den Einsatz und die Weiterentwicklung moderner digitaler Übertragungsverfahren verbietet: Es sollte allen Beteiligten klar sein, dass es hier allein um 50 MHz geht – das stand schon in großen Buchstaben in der Überschrift unseres Briefes. Auch die bewusste Fehlinterpretation des Begriffs "europäischer Standard" spricht in diesem Zusammenhang Bände.

Schließlich zieht auch das beliebte Argument "erst den Finger und dann den ganzen Arm" nicht: Digitale Sendearten sind heute etwas absolut Normales und Alltägliches, im Gegensatz zum Frühjahr 1990, als die gegenwärtigen Einschränkungen definiert wurden.

Schade, vom deutschen Staat erwartet man normalerweise ein Handeln, das sachlich und logisch nachvollziehbar ist. Oder mittlerweile etwa nicht mehr? Wir bleiben trotzdem dran.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ