HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 385 / 2011 vom 11.12.2011


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


BUNDESNETZAGENTUR BEKOMMT NUN DOCH NEUEN CHEF

(rps) Allerdings wird es wohl nicht CSU-Mann Johannes Singhammer werden, wie die Medien und auch wir am 23. Oktober berichteten. Während Matthias Kurth noch ein Mann der Telekommunikation war, legt man nun ganz offensichtlich den Schwerpunkt auf die Stromversorgungsnetze. Der neue Mann – zurzeit noch Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium – hat nämlich auf diesem Gebiet eine ausgeprägte Expertise und soll die so genannte "Energiewende" stemmen. Telekommunikation tritt mit der jetzt vorgenommenen Personalentscheidung in den Hintergrund. Dem Webauftritt der "Tagesschau" entnehmen wir zu diesem Thema auszugsweise die folgende Information:

"Staatssekretär Jochen Homann soll nach dem Willen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler neuer Präsident der Bundesnetzagentur werden. Der Posten des Präsidenten sei eines der wichtigsten Ämter bei der Umsetzung der Energiewende und Homann ein allseits anerkannter Experte für Energiefragen. Aus Regierungskreisen verlautete, die drei Parteivorsitzenden der Koalition – Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (FDP) – hätten sich darauf verständigt, dass es Rösler obliege, einen Vorschlag für das Amt zu unterbreiten. Die Netzagentur untersteht dem Wirtschaftsministerium.

Homann soll Nachfolger von Matthias Kurth werden. Dessen zweite Amtszeit läuft im Februar 2012 aus. Kurth ist SPD-Mitglied und war zehn Jahre im Amt. Bis vor einigen Tagen hatte sich der Beirat der Netzagentur nicht auf einen Kandidaten als Nachfolger für Kurth einigen können. Dem 'Handelsblatt' zufolge ist um die Neubesetzung des Postens zäh gerungen worden. Die Union habe dabei darauf gepocht, die Stelle mit einem eigenen Mann zu besetzen. Homann gelte als CDU-nah, hieß es.

Die 'Financial Times Deutschland' berichtet dagegen, der 1953 geborene Homann sei Röslers Wunschkandidat gewesen. Der Minister habe das Schlüsselamt für die Umsetzung der Energiewende mit einem Experten und nicht mit einem Politiker besetzen wollen. Die Netzagentur mit ihren 2500 Mitarbeitern ist für die Kontrolle der Strom-, Gas-, Bahn- und Telekommunikationsmärkte zuständig. Sie wacht über den Ausbau der Stromnetze, kontrolliert und plant den Kraftwerkspark und damit die gesamte Stromproduktion in Deutschland."

Soweit die Tagesschau.


SONDERPRÄFIXE IN KANADA

(rps) Aus Anlass des 75. Geburtstages der staatlichen kanadischen Rundfunkgesellschaft CBC und des in diesem Land noch existierenden Auslandsrundfunks "Radio Canada" dürfen die dortigen Funkamateure im Monat Dezember besondere Präfixe benutzen: Hams mit VA-Rufzeichen können VG verwenden, VE darf VX, VO bekommt die Möglichkeit, XJ zu nutzen und VY schließlich bekommt bis Ende des Jahres XK.

Quelle: ARRL


NEUE CB-FUNK-VERFÜGUNG: CHANCEN UND RISIKEN

(rps) Am vergangenen Mittwoch, dem 7. Dezember hat die Bundesnetzagentur in ihrem Amtsblatt den CEPT-Beschluss betreffend 12 Watt SSB im CB-Funk national umgesetzt. Sie finden die Allgemeinzuteilung der betreffenden Frequenzen in Amtsblatt Nr. 23 in Verfügung 77/2011.

Wie fast immer im Leben gibt es auch hier Licht und Schatten bzw. Chancen und Risiken. Positiv ist, dass ab sofort auf allen 80 Kanälen in der Sendeart SSB eine effektive Strahlungsleistung von 12 Watt PEP benutzt werden darf. Bei AM wird die bisher regulierte Trägerleistung von 0,5 Watt ersetzt durch 4 Watt ERP für das gesamte modulierte Signal, was in etwa dasselbe ist. Bei FM bleibt es bei 4 Watt ERP, alles also bezogen auf einen Halbwellendipol. Bei den rein nationalen Kanälen 41 bis 80 sind wie bisher Sperrgebiete entlang der Staatsgrenze zu beachten, da diese Frequenzen im Ausland oftmals anderen Funkdiensten zugewiesen sind. Damit rutscht der CB-Funk ein ganzes Stück näher an den Amateurfunkdienst – und zwar gerade jetzt, wo der Sonnenfleckenzyklus oberhalb von 25 MHz so richtig die Post abgehen lässt.

Zum Negativen. In vertikaler Polarisation dürfen nun überhaupt keine gewinnbringenden Antennen mehr verwendet werden. Dies ist nur noch mit horizontal polarisierten Strahlern erlaubt und – man höre und staune – man hat den für diesen Fall bislang verwendeten und sehr praxisnahen Bezug auf eine Senderausgangsleistung von 4 bzw. nun auch 12 Watt ersatzlos gestrichen.

Damit gilt ab sofort immer und uneingeschränkt, dass der CB-Funker effektive Strahlungsleistungen einzuhalten hat – bei Androhung von Bußgeldern und Ermittlungskosten bei Überschreitung. Allerdings muss ein normaler Bürger von der Berechnung von effektiven Strahlungsleistungen und deren Verifikation bzw. Einhalten überhaupt keine Ahnung haben – und hat sie auch meistens tatsächlich nicht. Dem trägt die CEPT-Entscheidung ausdrücklich Rechnung, indem sie unmissverständlich bestimmt, dass unter sie fallende CB-Funkgeräte ohne jede weitere Genehmigung – also ohne Einschränkung und "einfach so" – betrieben werden sollen. Dies müssen die Mitgliedsstaaten in nationales Recht umsetzen. Deutschland – oder besser die Bundesnetzagentur – hat sich dem leider verweigert, indem sie dem Käufer von immerhin CE-zertifizierten Geräten per Amtsblatt Auflagen macht, die er gar nicht kontrollieren und gewährleisten kann. So wird der Begriff "Jedermannfunk" staatlicherseits ad absurdum geführt.

Gleich gelagert ist dieser Satz in der neuen Allgemeinverfügung:

"Unabhängig von dieser Frequenzzuteilung dürfen ortsfeste Sendefunkstellen mit einer äquivalenten Strahlungsleistung (EIRP) von 10 Watt oder mehr erst betrieben werden, wenn die Bundesnetzagentur eine entsprechende Standortbescheinigung erteilt hat."

Auch hier gilt das zur Strahlungsleistung gerade gesagte. Und auch das ist ein offensichtlicher Widerspruch zum EU-Standpunkt, dass CB-Funkgeräte nach dem Kauf ohne weitere Genehmigung uneingeschränkt betrieben werden dürfen. Hier wird es wohl irgendwann zu einer gerichtlichen Entscheidung kommen müssen, da ausnahmslos jeder betroffen ist, der sein Gerät in Stellung "12 Watt SSB" betreibt – schließlich sind die erlaubten 12 Watt ERP gleich mit 20 Watt EIRP zu setzen. Ein Eldorado also für den Funkmessdienst? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.


GESETZENTWURF SOLL FUNKAMATEURE SCHLECHTER STELLEN

(rps) Der AGZ liegt ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, der unter anderem das FTEG und das EMVG verschärfen soll. Ganz offensichtlich handelt es sich hier um eine Reaktion auf eine Vielzahl von verlorenen Verwaltungsgerichtsverfahren um die so genannten EMV-Beiträge. Dies will man nun wasserdicht und gerichtsfest machen, indem man die abzurechnenden behördlichen Tätigkeiten erstmals explizit aufführt und indem man Widerspruchsverfahren verteuert sowie jede aufschiebende Wirkung untersagt. Die Beitragspflicht soll zudem explizit auf Geräte ausgeweitet werden, die unter das FTEG fallen, und der Kanon der Gebührenarten für Amtshandlungen soll auf Geheiß des Bundesrechnungshofes deutlich erweitert werden: Es wird am Ende wohl kaum preiswerter für den Funkamateur.

Auch die im Entwurf erstmals vorgesehene Einführung von Ordnungswidrigkeitstatbeständen bei Verletzungen der BEMFV ist für den Funkamateur negativ, schließlich handelt es sich um einen Experimentalfunkdienst und um eine rein private Freizeitangelegenheit: Lässt dieses gesetzliche Vorgehen unser Tun im Amateurfunk doch in der Außenwirkung deutlich gefährlicher erscheinen als bisher und konterkariert damit unter anderem den Wunsch der Amateurfunkvereine nach Einführung der Entry Level Licence.

Scharf zu kritisieren ist, dass die Interessenvertretungen der Funkamateure vom federführenden Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in keiner Weise in die Erstellung des Regierungsentwurfs eingebunden worden sind, obwohl wir in direkter Weise betroffen sind. Seit Anfang November bereits liegt der Text in Form von Drucksache 700/11 dem Bundesrat vor, der auf seiner Sitzung am 16. Dezember laut Ausschussempfehlung keine Einwände erheben wird. Nächste Woche bringen wir eine ausführlichere Analyse.

Dennoch einen schönen Dritten Advent.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ