HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 393 / 2012 vom 18.03.2012


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


STÖRUNGEN AUS DEN NIEDERLANDEN

(rps) Das Thema war bereits im Sommer 2009 heiß: Die Niederlande beabsichtigten, mitten im in Deutschland exklusiv und primär dem Amateurfunkdienst zugeteilten Siebzigzentimeterband kommerzielle Dienste unterzubringen. Es handelt sich um DGPS – also um Differential GPS, das durch Aussenden von exakt vermessenen Fehlerkorrekturen die Genauigkeit des bekannten GPS-Systems zur Standortbestimmung auf die Größenordnung eines Zentimeters verbessern kann. Wenn Sie sich für mehr Details interessieren, lesen Sie einfach noch einmal HamRadio 2day Nr. 322 vom 21. Juni 2009.

Lange war die Front ruhig, die Niederlande verwendeten Frequenzen bei 438,8 MHz lediglich tief im Landesinneren, und wir dachten, das Thema wäre durch. Von wegen – nun ist es tatsächlich passiert: Im westlichen Nordrhein-Westfalen sind seit einiger Zeit enorm starke DGPS-Signale auf den beiden Frequenzen 439,1375 und 439,1625 MHz zu hören. Sie sind derart stark, dass am Standort des Redakteurs in Wassenberg Feldstärken von bis zu 50 dB über S9 anstehen – ohne Vorverstärker natürlich. Man kann die Aussendungen zudem in einer ganz normalen Amateurfunkanlage im Auto bis nach Jülich und darüber hinaus hören. Auch diverse Beiträge in Foren und Diskussionsrunden lassen auf Reichweiten von weit mehr als 50 Kilometern in das deutsche Landesinnere schließen. Peilungen geben Hinweise auf Standorte in unmittelbarer Nähe der Grenze, die sich nördlich und südlich von Roermond befinden.

Die AGZ e.V. betrachtet diese Signale schlicht als Störungen – und zwar im klassischen VO-Funk-Sinne: Hier werden reguläre deutsche Amateurfunkstellen – etwa die Relaisfunkstellen in Stolberg, Ennepetal und auf dem Kahlen Asten – durch das Ausland gestört. Da weder der Navigationsfunkdienst, noch der Ortungsfunkdienst, noch die Anwendung des so genannten Fernwirkens als Teil des Betriebsfunks in Deutschland und der ITU-Region 1 hier eine Zuweisung besitzen, sind in unserer Sicht vom Ausland ausreichende Schutzzonen einzuhalten und Sender nicht in der Nähe der Landesgrenzen zu positionieren.

Wir baten damals die Bundesnetzagentur um Stellungnahme, über die wir in HamRadio 2day Nr. 323 am 28. Juni 2009 berichteten. Unsere Rechtsauffassung wurde darin in vollem Umfang geteilt. Der entscheidende Satz der Behörde lautete seinerzeit:

"Die existierenden und zukünftigen fernbedienten Amateurfunkstellen in diesem Frequenzbereich sind daher gegen Störungen durch DGPS-Systeme zu schützen."

Mit dieser Position wollte die Netzagentur in 2009 in Koordinierungsverhandlungen mit den Niederlanden gehen, wobei in Sicht des Redakteurs die Betonung auf "zukünftige fernbediente Amateurfunkstellen" lag. Für jedermann offensichtlich ist das Zugesagte nicht gelungen.

Um unserem Standpunkt Nachdruck zu verleihen, haben wir eine entsprechende Störungsmeldung beim Funkmessdienst der Behörde abgegeben. Wir haben darauf hingewiesen, dass bereits die Tatsache, dass besagte Frequenzen dem Amateurfunk in Nordrhein-Westfalen nicht mehr zur Verfügung stehen, als eine Störung im rechtlichen Sinne zu werten ist. Die Bundesnetzagentur wendet diesen Rechtsgrundsatz im Übrigen selbst an, wenn es etwa um Schwarzsender im CB-Funk und im Rundfunkbereich bei 6,3 MHz oder auf UKW geht: Hier kommt es der Behörde auch nicht darauf an, dass tatsächlich jemand gestört wird; es reicht ihr dazu bereits die Nutzung einer sehr wohl freien, aber nicht zugeteilten Frequenz.

Wir fordern nicht mehr und nicht weniger als die Einhaltung von wirksamen Schutzzonen in den Niederlanden. Deutschland hält sich an diese international übliche Vorgehensweise – bestes Beispiel ist die recht große Schutzzone bei den Sonderkanälen 41 bis 80 im CB-Funk gerade in NRW, oder auch das Verbot von FreeNet bei 149 MHz an diversen exponierten Standorten, etwa im Südschwarzwald. Wir wollen nicht hoffen, dass es so endet wie bei den Mobilfunknetzen: Hier sind deutsche Provider an der Landesgrenze praktisch kaum zu empfangen und die Niederländer sind Vollanschlag – wohl gemerkt auf deutschem Gebiet – und man muss viele Kilometer landeinwärts peinlich darauf achten, dass das Handy nicht auf die erheblich teureren niederländischen Netze umspringt, weil selbst dort deren Signale stärker sind.

Deshalb erinnern wir die Bundesnetzagentur noch einmal öffentlich an ihre Zusagen, die sie im Schreiben vom 22. Juni 2009 der AGZ e.V. gegenüber gemacht hat. Wir werden über die Bearbeitung unserer Störungsmeldung natürlich berichten.


BERGHEIMER FLOHMARKT

(rps) ist am nächsten Samstag. Am 24. März ist es bereits zum 31. Male wieder soweit – und der weithin bekannte Amateurfunkflohmarkt im Westen Deutschlands öffnet seine Pforten. In der Zeit von 09:00 bis 14:00 Uhr Ortszeit gibt es auf über 2200 Quadratmetern vieles zu bestaunen und natürlich auch zu kaufen. Ort der Veranstaltung ist wie immer das Bürgerhaus in Bergheim bei Köln, Ortsteil Quadrath, Ecke Rilkestraße/Graf-Beissel-Platz. Eine Einweisung findet auf dem Bergheimer Zweimeterrelais DB0XO statt; die Ausgabefrequenz ist 145,750 MHz.

Details finden Sie im Internet unter

www.flohmarkt.ov-g20.de.

Wie bereits letztes Jahr können Sie ihre Eintrittskarte auch wieder im Internet kaufen und damit vorbei an der meist sehr langen Warteschlange die Arena durch einen Spezialeingang betreten.


MITGLIEDERVERSAMMLUNG DER AGZ E.V.

(rps) ist auch am nächsten Samstag, den 24. März 2012, und zwar in Mönchengladbach. Ort und Versammlungsbeginn können bei der Redaktion erfragt werden.


NACHTAUSSENDUNG

(rps) Die Ausbreitungsbedingungen werden wieder besser. Wir erinnern noch einmal an unsere Nachtaussendung: Jeden Sonntagabend um 23 Uhr Ortszeit senden wir HamRadio 2day in der Nähe von 3750 kHz im Achtzigmeterband. Standort der Sendeanlage ist Mönchengladbach.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ